Luke

Pelly Farm, Yukon Territory

Der Pelly-River

Luke

Der Wald

Besuch von Freunden

 

Fotos aus dem Film „LUKE – der letzte wilde Hund am Yukon“

von Hubl Greiner

Der Film wurde im Sommer 2015 auf dbate.de und auf spiegel.tv veröffentlicht.

Ganzer Film (mit Werbung)
www.spiegel.tv/filme/dbate-luke-kanada/

Ganzer Film (ohne Werbung)
dbate.de/videos/luke-deutscher-aussteiger-in-kanada-komplett/

Luke kauft sich 1997 ein 17 ha großes Waldgrundstück in der kanadischen Wildnis und baut sich dort mit einfachsten Mitteln ein ausgeklügeltes Blockhaus, in dem er jeden Sommer etwa 4 Monate alleine lebt. Luke hat die Schnauze voll von Menschen, denen er nicht traut. Er ist gerne unter Freunden, am liebsten aber ist er allein, möglichst weit ab der Zivilisation.

Eigentlich war es unser gemeinsamer Jugentraum, aber mich packte später die Leidenschaft zur Musik. Im Sommer 2013 besuche ich Luke im Yukon Territorium, dort wo der Pelly- auf den Yukon-River trifft.

5 Stunden dauert die Anreise von Whitehorse. Vom kultivierten Klondike-Highway geht es hinter Pelly Crossing 50 Kilometer auf Wald- und Schotterwegen durch den Busch bis zur Pelly Farm – einer ehemaligen Versorgungsstation für die Goldgräber, die mit ihren Planwägen auf dem Weg nach Dawson City waren. Auf diesem historischen Grund lassen wir unser Auto stehen, laden Gepäck und Proviant in ein Kanu und schippern viele Kilometer weiter flußabwärts – sein Land ist nur per Boot zu erreichen.

Luke hat viel zu erzählen – vom Hausbau mit Hindernissen, Begegnungen mit unfreundlich gesinnten Indianern und noch unfreundlicheren Bären, einem Waldbrand, dessen Flammen seinen Traum fast auffraßen. Ob und wie er letzteres verdaut hätte, kann er allenfalls erahnen. Aber man spürt heute noch, Jahre nach dem Brand, eine gewisse Anspannung, wenn Luke darüber spricht. Vielleicht ist es auch das Wissen, dass so etwas jederzeit wieder geschehen kann. Im Busch ist man den Launen und Gesetzmäßigkeiten der Natur ausgeliefert – und wenn man sich noch so sehr mit ihr zu arrangieren versucht.

Der sympathische Bayer mit dem markanten Schnauzbart arbeitetet im Winter in Deutschland Schicht als Altenpfleger und spart dabei möglichst viel Geld, um sich die 4 Monate jedes Jahr in Kanada leisten zu können. 4 Monate lang wird er unbezahlt freigestellt – mit Arbeitsplatzgarantie. „Dann ist zwar später mal was von der Rente weg, aber was soll’s…!“

Was soll’s, wenn man im Mündungsgebiet von Yukon- und Pelly-River, direkt am Einfluss des Pelly rund 17 Hektar Land sein eigen nennen darf. Die nächste größere Ansiedlung ist Fort Selkirk, das indianische Freilichtmuseum.

Doch bis es soweit war, floss viel Wasser den Fluß hinunter. Eigentlich hatte es Luke schon aufgegeben, das Land seiner Träume zu finden. Bis eines Tages ein Makler in Whitehorse zu ihm sagte: „Ich hab was für Dich!“ Und nicht arg viele hätten sich auf das dann folgende eingelassen. Im Büro des Maklers wurde Luke ein alter Plan mit einigen fotokopierten Fotos präsentiert. „Viel zu erkennen gab es da nicht“, erinnert sich Luke schmunzelnd. Immerhin wusste er, wo das Grundstück ungefähr liegen musste, denn mit dem Kanu hatte er diese Ecke schon durchfahren.

Luke machte sich dann zusammen mit dem Makler auf die Suche nach den Grenzpfosten auf seinem Land. Wahrlich kein einfaches Unterfangen auf 17 Hektar und einige der Pfosten wurden tatsächlich erst Jahre später entdeckt. Vier Tage lang ging Luke sein Land ab. Wald, Wald und nochmals Wald – „hinten raus kommt nichts mehr!“ Ein traumhafter Herbst tat dann noch das seine zur endgültigen Kaufentscheidung.

Nun hatte der Bayer also Indianerland gekauft. Und das ist nichts, was man mit einem Achselzucken abtut. Denn eigentlich wollten die Natives dieses Stückchen Erde (das ihnen ja eigentlich einmal gehört hat oder streng genommen immer noch gehört) selbst kaufen. Deshalb waren sie auf Luke auch nicht besonders gut zu sprechen, als sie hörten, dass er den Zuschlag erhalten hatte. Die Situation war nicht ohne und hätte durchaus eskalieren können – „ich hatte wirklich Angst, dass irgendwann plötzlich meine Hütte brennt“, denkt Luke mit gemischten Gefühlen an diese Zeit zurück. Doch dann erhielt er unerwartete Hilfe von Farmer Dale, der zwei Indianerkinder zur Pflege aufgenommen hatte und über beste Beziehungen zu den Natives verfügte. Er ging in die Indianersiedlung und machte gut Wetter.

Das war auch bitter nötig, denn inzwischen griffen Lukes Gegner auch schon mal zu unsauberen Mitteln. Als eines Tages eine Elchkuh mit Kalb erlegt wurde – nicht nur für Indianer ein No-Go – verbreitete ein Native, dass ein Weißer, sprich Luke, für den Abschuss verantwortlich sei. Doch dann klärte sich alles auf: der Indianer, der das Gerücht verbreitet hatte, hatte die Kuh selbst geschossen, um den Weißen in Verruf zu bringen und vom Indianerland zu vertreiben.

Eines Tages tauchten Feuerwehrleute bei seinem Haus auf. Ob er denn nichts gerochen habe, wollte der Chef wissen. Der Wald stand 2 Kilometer vor seinem Grundstück in Flammen und die Feuerwehr versuchte verzweifelt, das Feuer einzudämmen. Irgendwann jedoch wurde die Rauchentwicklung so stark, dass Luke evakuiert werden musste. Rauch und glühende Tannenadeln kamen seinem Haus immer näher. Sollte dies das Ende sein? Im Boot transportierte Luke die nötigsten Sachen zur Pelly Farm. Die Feuerwehr konnte das Feuer schlußendlich wenige hundert Meter vor seinem Land zu stoppen bringen.

Der Alptraum war vorüber und Lukes mit eigenen Händen und primitivsten Hilfsmitteln errichtetes Häuschen gerettet. Dieser Hausbau ist eine Geschichte für sich. In Deutschland baute sich Luke zuerst einmal ein Modell seines Blockhauses, denn es sollte kein Vinyl-Plaste-Cottage werden, wie es viele Kanadier bevorzugen.

Durch Zufall fand er in Whitehorse einen Baumarkt, der Pleite gegangen war. Luke ging auf Einkaufstour und kaufte alle Holzbohlen (fünf Meter lang) auf; des weiteren noch Bleche, Bretter, Nägel und was man sonst noch alles für einen Hausbau benötigt. Doch dann gleich die nächste Herausforderung: wie das alles von der Stadt 350 Kilometer in den Busch transportieren? Ein Transportunternehmer vor Ort winkte ab – das sei kein Problem, da habe er schon andere Fuhren gemeistert. Und so kam sein Baumaterial von Whitehorse zur Pelly Farm – 350 Kilometer über hubbelige Waldwege, enge Brücken; Kosten 200 Dollar.

Das Material wurde an der Farm in Ufernähe abgeladen. Von dort aus karrte Luke die kleineren Baumaterialien mit seinem Kanu mit Außenborder zum Bauplatz – hin und her, her und hin. Für die Fünf-Meter-Bohlen baute Luke an der Pelly Farm mit angeschwemmtem Holz ein Floß, packte die Bohlen drauf und flößte sie zum Grundstück. Dort musste er „nur“ noch alles das Steilufer zum Bauplatz hochgeschleppen.

Der talentierte Handwerker Luke hatte zwar noch nie ein Haus gebaut, aber sich immerhin schon mal ein Zimmermann-Lehrbuch durchgelesen. Noch im selben Sommer entstand auf einem Kiesfundament ein Blockhaus – verzapft, auf kanadisch-bayrische Zimmermannsart, wie Luke nicht ohne Stolz meint. Die reine Transport- und Bauzeit für den Rohbau dauerte 8 Wochen – „harte Sträflingsarbeit!“ Diese auch für kanadische Verhältnisse Rekordzeit von einem weißen Laien ging bei den benachbarten Natives in die Geschichte ein. Die Indianer waren so beeindruckt, dass sie die Geschichte über den Hausbau von Luke in ihre touristischen Führungen in Fort Selkirk einbauten. So hat Luke also doch noch seinen Frieden mit den Natives gemacht.

Was die Jahre darauf noch folgte, waren quasi viele Feinarbeiten. Am Anfang zum Beispiel kochte Luke noch im Freien, bis es ihm dann im Herbst doch zu kalt wurde. Also baute er eine Küche und einen Keller zum Lagern von Lebensmitteln. Kein einfaches Unterfangen, denn wegen des kiesigen Untergrundes konnte er so viel buddeln wie er wollte – es brach ihm immer wieder alles zusammen.

Wochenlang hatte er in der Erde gewühlt, bis er sich schließlich eine Holzbox baute, mit der Idee, diese passgenau in seine gebuddelte Grube einzulassen. Er musste nach Fertigstellung der Verschalung in die Grube steigen unter die schwere Box, die er dann Stück für Stück mit einem selbstgebauten Flaschenzug-System nach unten ließ. „So aufgewühlt war ich nie wieder – wenn das Ding runtergekommen wäre, hätte es mich lebendig begraben.“

Hat es ihn aber nicht, das Ding, und es wird nicht die letzte Situation gewesen sein, bei der sich Außenstehende fragen werden, ist es das Wert? Für Luke hat sich diese Frage nie gestellt und wird es auch nie tun. Aber das kann wahrscheinlich nur nachvollziehen, wer wie Luke seine Vision, seinen eigenen Traum in die Tat umsetzt.

Luke hat sich jedenfalls vorgenommen, sich irgendwann in weiter Zukunft auf den Basaltfelsen hoch über seinem Grundstück zum Sterben hinzusetzen. Sein erstes Blutopfer hat er ja schon dargebracht – auf dem Basaltfelsen hoch über dem Yukon-River. Als irdischen Dank an irgend jemanden da oben, dass er trotz aller Widrigkeiten und Irritationen sein Häuschen auf seinem Land bauen konnte.

– – – – – – – – – – – – – – – –

LUKE – der letzte wilde Hund am Yukon

Mit:
Luke
Christof Dienz
Jerry Alfred (Musiker, 1st Nations)
Eric, Becci (1st Nation vom Stamm der Crow) & Kids

HUBL GREINER
Drehbuch, Regie, Kamera, Ton, Schnitt

CLAUDIA KNUPFER
Dramaturgie

CHRISTIOF DIENZ
Musik

HEUTE Film 2013

Hubl Greiner

„Hubl Greiner ist ein Grenzgänger, der sich mit Lust über den Abgrund beugt und manchmal auch weiter.“ Dr. Susanne Binas.

„…a devil-of-a-fellow and probably one of the most creative producers and musicians in his profession in Europe.“ Ear Magazine New York

Hubl´s Website

Impressum und Datenschutz